Artikel
1 Kommentar

Zu Besuch bei den Nordfriesen in Tönning, St. Peter Ording, an der Nordsee und Eider

Fernwehblues-Nordsee-52

Irgendwie war es schon ein komischer Gedanke, als Freunde uns gefragt haben, ob wir nicht für eine Woche nach Norddeutschland zum „Urlaub-machen“ kommen möchten. Deren Eltern genießen seit einigen Jahren ihren Ruhestand im hohen Norden bei den Friesen, kennen sich dort aus und wir sollten doch auch mal die gute Nordseeluft schnuppern.

Urlaub in Deutschland?
Klingt für jemanden der viele Fernreisen macht irgendwie komisch.
Können Ferien in Deutschland einen Urlaub in ferne Länder ersetzen?
Wie tief muss man in die Urlaubskasse greifen?
Muss man weit weg fliegen um Spaß, Erholung und Schönes zu finden?
Klingt nach einer Herausforderung; also warum nicht, ein Versuch ist es wert.

Die Anreise wollten wir mit einer Zugfahrt recht ruhig angehen, da der Weg von München nach Tönning über die Autobahnen in den Sommerferien sicherlich nicht der Entspannteste ist. Da wir mit der Organisation recht früh dran waren, ergatterten wir bei der DB ein super Schnäppchenangebot für € 57 (zwei Personen – Oneway – inkl. Platzreservierung). Das haben wir natürlich sofort gebucht!

TAG 1
Ende Juli 2016 hieß es dann (vielleicht aufgrund des Schnäppchens) recht früh aufstehen. Der ICE fuhr um 06:17h am Hauptbahnhof München ab. Zweimal umsteigen (1x Hamburg-Harburg, 1x Husum) und wir erreichten nach 12 Stunden unsere gebuchte Pension in Tönning. 12 Stunden (von Tür zu Tür; davon 10 Stunden reine Fahrzeit) sind dann doch eine ziemlich lange Reisezeit und wir waren danach ganz schön platt.

Nichtsdestotrotz haben wir uns am späten Nachmittag noch nach St. Peter Ording aufgemacht. Dort war (wie jeden Donnerstag) Stadt- bzw. Dorffest. Die Fischbrötchen, das Bier für die Herren und die Aperol-Spritz für die Damen schmeckten hervorragend. Noch einen Spaziergang auf den nahegelegenen Deich zum Sundowner und wir waren glücklich.

Die kommenden 5 Tage waren dann schön mit Ereignissen vollgepackt:

TAG 2
Ganztagestour mit gemieteten Fahrrädern
(Tönning-Hoyerswort-Friedrichstadt-Lehe-Lunden-Tönning)
Leider litten wir ziemlich, denn es war verdammt heiß und windstill (ja – so etwas ist so hoch im Norden wohl sehr selten). Bei über 30° strampelten wir entlang von Wiesen, Wiesen und nochmal Wiesen. Vorteil: keine Berge – nur plattes Land aber dafür viele Schafe (böööh). Nach einem geplanten Stopp in Café Hoyerswort – einem alten Herrenhaus mit schönem Garten und einem urigen Hof, welchen man kostenlos besichtigen kann, legten wir einen ungeplanten Stopp wegen eines geplatzten Reifens ein (interessanterweise genau in dem Ort „Witzwort“ – haha). Nach einem Telefonat mit dem Vermieter der Radl aber die Erleichterung: sie bringen uns ein neues Bike – dahin wo wir gerade sind. Meines Erachtens sehr freundlich und nicht alltäglich, wenn man den Mietpreis (€ 7 pro Tag) mit dem Aufwand vergleicht. Also vielen Dank noch mal.

Unser Ziel hieß Friedrichstadt. Friedrichstadt?
Noch nie gehört; aber wirklich ein toller Tipp. Das Örtchen könnte der kleine Bruder vom Amsterdam sein. Eine schnuckelige Innenstadt mit alten Häusern und Grachten. Am Dorfplatz aßen wir dann landestypisch Labskaus und füllten erst einmal ordentlich unseren Flüssigkeitshaushalt wieder auf; denn es war ja immer noch so heiß. Deshalb buchten wir kurzerhand noch eine Rundfahrt mit dem Boot durch die Kanäle und genossen das rumschippern auf dem Wasser. Unterwegs begegnete uns eine geführte Tour mit Stand-up-Paddlern … auch eine tolle Sache.

Die Rückfahrt mit den Rädern verlief dann zum Glück ohne irgendwelche ungewollten Ereignisse.

Am Abend kehrten wir zum Essen Zum Alten Anleger in Tönning ein. Ein Fisch- und Steakrestaurant direkt mit Terrasse an der Eider. Hier konnten wir zu dem guten Essen die eintretende Ebbe beim Sundowner betrachten. Aber der Fokus lag ganz klar beim Essen.

TAG 3
Wattwanderung in Vollerwiek bei Tönning
Wer noch nie im Watt war, sollte es unbedingt nachholen. Die Führung ist nicht nur interessant, sondern es macht auch Spaß im Schlick umherzuwandern. Auch wenn man danach Aussicht wie ein kleines Schweinchen.

Danach – gleich um die Ecke – leisteten wir uns einen leckeren Kaffee mit selbstgemachtem Kuchen und Eis mit frischen Himbeeren. Das Glücks-Café ist liebevoll hergerichtet und man findet tolle Sitzplätze unter Tüchern, Zelten und Schirmen. Wer mag kann an den zahlreichen Stauden Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren oder Brombeeren pflücken oder eine der selbstgemachten Marmeladen kaufen.

Zum Baden, Boulen und Relaxen nach St. Peter Ording
Auch hier hatten wir wieder tolles windstilles Wetter – und das direkt an der Nordsee! Und wer kennt die Bilder nicht: die Stelzenbauten mit dem schier endlosen Strand. Wer sich aber nicht direkt in das Getümmel dort begeben möchte, sondern es lieber etwas ruhig und weniger vollgestopft mag, parkt gleich etwas weiter rechts am Ende des Ortes.
Zwar muss man hier auch über die Dünen und lange im Sand laufen bis man das Meer erreicht, aber es war toll. Gleich 3x sind wir baden gegangen, denn das Wasser hatte 21°, kaum Wellen und vor allem, keine Quallen. … und dann kam auch noch der Eismann: Was will man mehr?!

Auf dem Rückweg ging es zum Abendessen in die Schankwirtschaft Wilhelm Andresen am Deich gleich neben dem Vogelnaturpark Tönning. Der Hof hatte was von einem kleinen Biergarten – echt schön, gemütlich und lecker. Wir hörten die ganze Zeit viele Vögel zwitschern und Gänse schnattern und erfuhren, das im Naturpark extra Beobachtungsplätze angelegt wurden; und zwar nicht nur für Profi-Vogelkundler. Also bestimmt auch einen längeren Ausflug wert.

→ Weiter gehts mit Tag 4 auf der nächsten Seite.

1 Kommentar

  1. Pingback: Ein Wohnmobil Road-Trip durch Südschweden. Städte, Seen und Mee(h)r › fernwehblues

Kommentar verfassen