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Obonjan? Wie war es auf der kroatischen Millionen-€-Wellness-Bio-Musik-Festival Insel?

Obonjan_Kroatien_2017-12

TUNE IN – EXPLORE – RESTORE

Inmitten einer atemberaubenden Szenerie, regeneriert Obonjan Körper, Geist und Seele. Belohne dich selbst mit der einzigartigen Erfahrung aus Musik, Yoga, Meditation, Fitness und Sport.

Das ist nur einer der vielen Versprechen auf der Webseite von Obonjan.
Marketing, SocialMedia, Bilder, Programm – alles großartig gemacht – innovativ, frisch, hochglanz-glossy, lifestylig.

Eine erwachsene Glamping Version eines Festivals, abseits der Hali-Galli Springbreak Party Inseln vor Kroatien mit einem aussergewöhnlichen Programm aus Yoga, Vorträgen, Workshops, Sport und Musik.

Klingt toll – das wollten wir sehen.

Obonjan ist eine 1,5 km lange Insel an der dalmatische Küste, ca. 6 km vor Šibenik.
Ursprünglich als „Insel der Jugend“ für Pfadfinder angelegt ist die Insel sehr schön und bedient wirklich alle Adria-Klischees: türkisblaues Wasser, Pinien und Olivenbäume, Strände und die obligatorische Zikaden-Hintergrundbeschallung. Mit einem kleinen und gemütlichen Fährdampfer gehts ca. eine Stunde von Šibenik Hafen auf die Insel. Die Pfadfinder haben in den 50er Jahren eine komplette Infrastruktur mit Häfen, Häusern, und Strassen hinterlassen. Alles wunderschön eingewachsen und ein wenig verwildert. 2016 wurde die Insel dann von einer kroatisch/englischen Eventagentur renoviert, teilweise neu aufgebaut und wieder in Betrieb genommen.

Auf der Insel stehen Zelte für ca. 500 Gäste, unterteilt in zwei Kategorien. Die Zelte sind neu und hochwertig, mit AirCon und in der Kategorie „Forest Lodge„ sogar mit Kühlschrank, WC und Dusche ausgestattet. Für die Zelte der Kategorie „Bell Tent“ stehen wie auf einem Campingplatz Sanitäranlagen zur Verfügung. Alle öffentlichen Gebäude die wir gesehen haben, waren top in Ordnung, teilweise neu oder ordentlich renoviert und auch sauber.

Zur Verpflegung bietet Obonjan zwei Restaurants und drei Futter-Buden (Pizza, Burger, Curry). Im großen Restaurant „The Kitchen“ auf dem höchsten Punkt der Insel gibt es das Frühstücksbuffet und einen großen Meerwasserpool. Das kleine Restaurant „BOK“ am Hafen öffnet erst mittags und hat hauptsächlich Meeresfrüche auf der Karte. Und dann gibt es noch eine kleine „Green Bar“ die Tee, Smoothies und angeblich auch veggie / veganes Essen anbietet; während unseres einwöchigen Besuches war die Theke aber meistens leer.

Am Hafen gibt es ganztags eine Bar die nachmittags bis Abends von DJs bespielt wird und bei Events, Parties oder Konzerten gibt es am Amphitheater und beim Open-Air Club weitere Bars. Dann gibt es noch das „Zen-Den“ einen Wellness, Massage und Yoga Tempel und einen Pavillon für alle möglichen Veranstaltungen.

Das Programm über die Saison ist engagiert und hochwertig. Jede Woche wird von einem Label, Verlag, Promoter, Agentur oder einer anderen Organisation betreut. Dabei stellt der jeweilige Kurator Bands, DJs, Performer, Künstler, Trainer, Coaches, etc. zusammen und bringt auch die dazugehörige Gefolgschaft auf die Insel. Ein schönes Konzept dass sich spannnend liest und viele Überraschungen und Entdeckungen parat hält.

Hier eine Übersicht des Programmes 2017

Gilles Peterson and Worldwide FM, Wanderlust, Electric Elephant, The Numinous, Late Night Tales, Hunger, The Hoxton, Unit 44, Supersoul, Fashion Revolution, Visual Fodder, Wildfitness, R&S Records , Ernest Journal, Secret Yoga Club, Gottwood, SHE, Phonica, She’s Lost Control, Soul & Surf, Creative Social, Refinery, Switch On, Serenebook, East of Eden, Yogarise, Your Space Berlin, and Yoga Hero.
Dave Maclean (Django Django), Flamingods, Garden City Movement, Gerd Janson, Gilles Peterson, Hercules and Love Affair, Horse Meat Disco, Jack Savidge (Friendly Fires), Jordan Rakei, Josefin Öhrn, Justin Robertson, Kaitlyn Aurelia Smith, Khraungbin, Low Life (Bill Brewster & Frank Broughton), Man Power, Midland, Mister Saturday Night, Norman Jay MBE, Phaeleh, Prosumer, Ray Mang, Roy Ayers, and Sean Johnston.
Daniel Pinchbeck, Patternity, Laraaji, John Higgs, Lisa Luxx, Anthony Peake, Sam Bompas, David Bramwell, The Wild Swimming Brothers, Nick Jankel, Kto Wong, Loba Diaries, MA-TT-ER, and Super Human Earth.
Jasmine Hemsley and Sound Sebastien, Patrick Broome, Meghan Currie, Seb Eubank, Ruby Warrington, Michael James Wong, Lani Rocillo, Steffy White, Alexandra Roxo, Toby Huntington-Whiteley, Swim Dem Crew, Susan Rozo, Chloe Brotheridge, Wolf Sister, Pip Roberts, Run Pack Berlin, Paula Andreewitch, Charlotte Welfare, Carlos Romero, Pandora Paloma, Jessica Skye, Bess Shipside, Gail Schock, and Kate Taylor.

Und nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ist man echt beschäftigt. Hier ein klassischer Obonjan-Tag:

  • 07:30 Early Morning Yoga
  • Frühstück
  • 10:30 Mediation – Session
  • Mittags Beach Life, schwimmen und/oder und am Hafen abhängen
  • 14:30 Lesungen, Workshops, o. ä.
  • 17:00 auf der Zeltveranda den Ausblick geniessen und das erste Glas Wein schlürfen
  • 19:30 Sunset Yoga
  • Dinner
  • Abends ein Konzert, eine Party oder einen Film auf Großleinwand?

großartig.

Ein Eco-Hipster-Kunst-Profi-Chiller-Paradies.

Aber bei näherem Hinsehen haben uns dann doch einige Punkte wirklich gestört, die wir hier nicht als beleidigte Online Bewertung und Erfahrungsbericht, sondern als Aufruf an Gäste, Medien und Veranstalter teilen wollen.

Wer sich die Obonjan SocialMedia und Webseite so anschaut und das Programm durchliest, der bekommt den Eindruck eines engagierten, nachhaltigen, Bio & Öko Resorts.

Was leider nicht der Realität entspricht.

Wegwerfgeschirr, Plastikbecher, Plastikbesteck, Plastikstrohhalme, Coffee ToGo Pappbecher sogar am Frühstücksbuffet.
Kein einziges Solarpanel auf der ganzen Insel, kein Grauwasser Recycling, keine Mülltrennung, Lieferwägen und Autos auf der Insel sind normale Benziner, kein Aufruf zum recyclen oder ein sonstwie erkennbarer Geist für ein nachhaltiges Inselleben. Und auch die Klimaanlagen in den Zelten sind eigentlich nicht zwingend notwendig.

Das Team, die Angestellten auf Obonjan scheinen sich zum Teil aus nicht-bezahlten Freiwilligen zu rekrutieren, die großteils Gastro-Neulinge und auch durch die Bank nur minimal-freundlich sind. Die Organisation hat für uns aber gut geklappt – gute Laune sieht aber anders aus.

Vegetarische oder gar vegane Gerichte sind Mangelware. In den Restaurants und Buden gibt es kaum fleischlose oder vegane Optionen (oder die Veggie-Paddies beim Burger Grill oder die Sommerrolls an der Green-Bar sind grade zufällig aus … aha). Wer keinen Bock auf Fleisch, Fisch und Käse hat, sollte sich ausreichend Verpflegung vom Festland mitbringen, sonst könnte es schnell eng werden. Grundsätzlich war das Essen aber überall gut bis OK.

An manchen Bars verschwinden die Menüs und Getränkekarten auf unerklärliche Weise und Getränke scheinen nach einer Art Tageskurs berechnet zu werden; vor allem je später der Abend desto volatiler können die Preise werden. Und Achtung beim Radler / Shandy – dann hat man schnell zwei Drinks auf der Rechnung: ein kleines Bier und eine Limo = 2 x 36 Kuna / 9,80 € – ohne Tipp 🙂
Tricky ist die Bezahlung auch wenn man nicht genug Kuna mitgebracht hat. Haarsträubend wird es aber wenn man in € zahlt und Kuna rausbekommt. Dann wird es teuer und auch hier gibt es unterschiedliche, suboptimale Wechselkurse.

Im Tante Emma Laden mit begrenztem, komplett kommerziellen Angebot und Preisen wie an der Bar herrscht Foto-Verbot. Auf Nachfrage: warum? …  gibt es die Antwort „Because my Boss said so.“ Was man als neugieriger Gast übrigens durchaus öfter als Antwort bekommt.

Die Preise sind auf der ganzen Insel nicht ohne.

  • Bier 0,3l = 35 Kuna / 4,70 €
  • Bier 0,5l = 52 Kuna / 7 €
  • Corona 48Kuna / 6,50 €
  • Cuba Libre 85 Kuna / 11,50 €
  • Burger 65 Kuna / 8,80 €
  • Pizza 85 Kuna / 11,50 €
  • Curry 90 Kuna / 12 €
  • Frühstücksbuffet 100 Kuna / 13,50 €
  • kleines Wasser 20 Kuna / 2,70 €

Aber hey – es ist eine Insel und nicht das Festland, jede Dose Bier wird mit dem Schiff gebracht.

Das alles zusammengefasst ist nicht dramatisch und verdient auch keinen Abzocke-Stempel.
Die etwas südländische Lausbuben-Gastronomie muss man sportlich nehmen und niemand kann wirklich dauernd gut drauf und freundlich sein.

Aber den von der Obonjan Kommunikation vermittelten Eindruck eines Eco Villages, das nur von Yogis, Gurus, Hedonisten, Veganern und mindfulen Öko Guerillas betrieben wird, sehen wir dann doch als waschechten Etikettenschwindel. Was wirklich schade ist!

Die Leute die wir auf Obonjan kennengelernt haben, waren genauso erstaunt und angesäuert über alle genannten nicht-Öko Punkte. Obonjan schafft es ein großartiges, offenes, interessantes und gemischtes Publikum auf die Insel zu bringen und enttäuscht dann vor Ort durch kleine und große Fails, die einen mehr als faden Nachgeschmack hinterlassen.

Obonjan könnte so viel mehr sein.

Obonjan könnte ein Leuchtturm für die komplette Tourismusindustrie der Adria sein.
Die Werbung dazu steht schon, die entsprechende Gäste sind schon da.

„Die Geister die ich rief ..“

Viele der Obonjan Besucher die wir gesprochen haben waren sich einig dass es bestimmt viel Echo geben wird, wenn man eine so umweltbewusste Zielgruppe auf die Insel holt und dann so abloosed.
Der Druck auf die Veranstalter muss bestimmt groß sein.
Die Beschwerden, Bedenken und Kommentare müssen bedenkliche Ausmasse annehmen.
Alle Kuratoren müssen sich fragen lassen ob sie das so weiterhin unterstützen oder auch Veränderungen fordern.

„Becher, Becher, seids gewesen …“

Man kann doch kein Wellness / Öko Festival veranstalten, mit Wegwerfgeschirr rumaasen und kaum Veggie Futter anbieten ohne dass es ein Echo der Gäste gibt? Wir wollen kein Faß aufmachen und auch niemanden anpinkeln.
Denn eigentlich sind wir Obonjan Fans.
Aber eben enttäuschte Obonjan Fans.
Als echte Öko Insel wäre die 2018er Saison vielleicht schon ausgebucht – think about it.

Das Projekt Obonjan ist ein respektabler Kraftakt, die Organisation, die Infrastruktur, das Booking, all das stampft man nicht in einer Saison aus dem Boden. Das ist uns klar. Im zweiten Jahr scheint der Laden auch schon etwas runder zu laufen, in vielen Bereichen gibt es aber noch Luft nach oben.

Wir könnten uns vorstellen nochmal nach Obonjan zu fahren.
Aber wir werden das nächste Mal vorher fragen was sich geändert hat.
Und ob aus der Öko-Awarness-Yoga-Meditation-Marketing-Show inzwischen vielleicht sogar Realität geworden ist.

Wir wünschen dem gesamten Obonjan Team viel Erfolg für das dritte und viele weitere Jahre.

Go-bonjan !
www.obonjan-island.com


Tipps für den Obonjan Trip:

Mitbringen: Augenmaske (die Zelte sind hell), Ohropax (die Zeltwände sind dünn :-).
Verpflegung: eine Flasche Wein, ein paar Bier, ein wenig Knabberzeug und ein paar Wasserflaschen sind erlaubt und sinnvoll. Klar müssen die Veranstalter auch Geld verdienen, aber was man im Zelt konsumiert kann man auch mitbringen.
Ausreichend Kuna: die Wechselkurse auf der Insel sind ☠@✴#ck! Ausser in den beiden Restaurants wird überall mit Cash bezahlt. Es gibt zwar einen ATM / Geldautomaten auf der Insel, wir haben da aber nichts abgehoben.
Internet / W-Lan: Es gibt top Free Wifi fast überall auf der Insel.
Wasser: Das Tab Water / Leitungswasser ist trinkbar.
Kinder: Obonjan ist nicht wirklich für Familien / Kinder gedacht.
Gäste: Die Promoter kommen aus UK, entsprechend sind die meisten Gäste Engländer. Wir haben aber Leute aus der ganzen Welt getroffen.
Anreise mit dem eigenen Auto / Parkplatz in Sibenik: Wir sind mit dem eigenen Wagen aus München nach Sibenik gefahren und haben nach 8 Stunden Fahrt für eine Nacht im Hotel Jure **** / Solaris Beach Resort (170 € DZ inkl. Frühstück) eingecheckt. Das Resort hat einen großen, bewachten Parkplatz und wir haben den Wagen da für 7 € / Tag eine Woche geparkt.
Taxi / Bus: Vom Resort aus fährt ein Bus für 17 Kuna p.P. nach Sibenik. Mit Uber kostet die Fahrt von Sibenik Hafen zum Hotel 45 Kuna, die Taxis in der Stadt wollten für die gleiche Fahrt das dreifache – die haben den Gong einfach noch nicht gehört und versuchen weiterhin Touris auszunehmen.

Veröffentlicht von

Web-Admin, Content Manager und Marketeer. Hier nur als Beifahrer und Gefährte aktiv.

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